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TIROLER FERNSCHACHREFERENT
Mag. Andreas Jedinger

Ulmenstraße 6, 6063 Rum
Tel.: 0664 44 30 959
Email: andreas.jedinger@natopia.at




 

 

  • Die Geschichte des FERNSCHACH (Auszüge aber bei weitem nicht vollständig!)
Fernschach hat eine Geschichte. Seine Wurzeln reichen zwar nicht so weit in die Vergangenheit zurück wie jene des Nahschachs, sie sind aber dennoch bemerkenswert. Die Anfänge des Fernschachs liegen, soweit sich dies heute noch verlässlich ermitteln lässt, in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts. Anders als heute waren es zunächst Städtevergleiche, die die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die Städtemannschaften kann man sich als eine Gruppe von Spielern vorstellen, die sich untereinander berieten und sich so auf den nächsten auszuführenden Zug einigten. Es ist überliefert, dass auch sehr bekannte Schachgrößen zu den Teilnehmern zählten, wie beispielsweise Wilhelm Steinitz und Michail Tschigorin. Berlin, Boston, Hamburg, London und Philadelphia zählten zu den Großstädten, die sich im Wettkampf mit anderen maßen.

Boten waren Kuriere oder gar Brieftauben -
Friedrich der Große trat gegen Voltaire an

So kam es erstmals um 1650 zu einem Vergleich zwischen Kaufleuten der oberitalienisch Hafen- und Handelsstadt Venezia und Serbien. Schiffe nahmen die jeweiligen Züge mit zum anderen Ufer der Adria, und so dauerte solch ein Wettkampf meist mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnt. Weiterhin ist uns eine schachliche Auseinandersetzung aus dem Jahre 1706 zwischen den beiden europäischen Metropolen London und Paris überliefert. Auch hier mussten die Antwortschreiben mittels Boten und Schiff überbracht werden. Vielleicht haben aber zu diesem Zeitpunkt auch schon Brieftauben diese Botendienste übernommen.
1740 nutzte Friedrich der Große die Möglichkeiten des Fernschachs und rat gegen den Voltaire an. Über den Ausgang des Wettkampfes ist uns nichts bekannt, doch soll sich sogar der damals weltbeste Spieler Philidor für den Verlauf der Auseinandersetzung interessiert haben. Auch von Vergleichen zwischen dem englischen und russischen Großbürgertum wird berichtet, doch leider sind all diese Partien nicht mehr erhalten.
Die ältesten erhalten gebliebenen Fernschachpartien spielten der Schachschriftsteller F. W. v. Mauvillon aus Den Haag und ein uns unbekannter Offizier aus Breda. Gemeinsam mit der stetigen und flächendeckenden Entwicklung des Postdienstes verbreitet sich auch das Fernschachl. Die Züge wurden zunächst per Post ausgetauscht, später wurden sie auch schon mal telegrafisch und per Funk übermittelt.

Quelle: MZ-Schachkolumne / Fernschach Teil I
Nr. 111 vom 05.11.1993 / Konrad Reiß

Mit dem 2:0-Erfolg von Amsterdam über Rotterdam begann im Jahre 1824 eine völlig neue Epoche des Fernschachs. Noch spannender verlief der Vergleich zwischen der englischen Hauptstadt London und der schottischen Metropole Edinburgh. Daß dieser Wettkampf und vor allem natürlich auch der Ausgang patriotische Emotionen freilegte, ist wohl mehr als verständlich. Diskrepanzen historischen Ursprungs wurden wieder einmal aufgewühlt. Die Entscheidung fiel nach mehreren Jahren Spielzeit 1828 mit 3:2 zugunsten der Schotten aus.
In diesem Wettkampf kam auch erstmals die uns heute als "Schottisches Gambit" bekannte Eröffnung zur Anwendung. Bei einem Spielstand von 2:2 mußte die fünfte Partie die Entscheidung bringen. (Edinburgh - London - Fernpartie 1825-1828

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Es kam nach 36 Zuegen zu abgebildeten Diagrammstellung. Schwarz versucht mit dem Turm h1 und dem Laeufer c3 in den naechsten Zuegen den gefesselten Lh2 zu erobern und gleichzeitig Matt zu drohen. Der Weisse muss nun alles riskieren.
37.f4!? Ld2 38.g3 La5 39.Te3 Tc2 40.g5! Thxh2+ 41.Kg4 h5+ 42.Kf3 Thf2+ 43.Ke4 g6 44.Tc7+ Kg8 45.Ke5 Tc5+ 46.Kf6 Txf5+ 47.Kxg6 Tf8 48.Tg7+ Kh8 49.Kh6 Lb4 50.Te6! Tf5 51.Th7+ Kg8 52.Tg6+ Kf8 53.Txc6! Tc5 54.Tf6+ Ke8 55.g6 Tc3 56.g4! Lf8+ 57.Txf8+ Kxf8 58.g7+ Kf7 59.Th8 Tc6+ 60.Kh7 Hier gaben sich die Londoner in einer bis zum Schluß spannenden Partie geschlagen.
1-0

Nach diesen Anfängen nahmen die brieflichen Vergleiche immer mehr zu, so spielten zwischen 1827 und 1829 Amsterdam gegen Antwerpen, 1828 Madras gegen Haidarabad, 1829-33 Berlin gegen Breslau (2:0), 1833-36 Berlin gegen Hamburg (0,5:1,5) und 1834-36 London gegen Paris.

Der erste offizielle Fernschachweltmeister war der Australier Cecil John Seddon Purdy  (* 27.3.1907, + 6.11.1979). Er hielt den Titel von 1953 bis 1958. Kurios: Nach dem Gewinn des Weltmeistertitels nahm er an keinem weiteren Fernschachturnier mehr teil. Als starker und erfolgreicher Nahschachspieler sowie Publizist in Sachen Schach war die Aufgabe des Fernschachspiels bei ihm vor allem zeitlich bedingt.
Zu seinen besten WM-Partien zählte das Match gegen Dr. M. Napolitano, das er mit den weißen Steinen führte:

1.c4 Sf6 2.d4 e6 3.Sc3 Lb4 4.a3 Lxc3+ 5.bxc3 c5 6.e3 Sc6 7.Ld3 e5 8.Se2 d6 9.e4 Sh5 10.0–0 g5 11.Lc2 Sf4 12.La4 Ld7 13.Sg3 cxd4 14.Lxc6 bxc6 15.cxd4 Df6 16.Le3 h5 17.dxe5 dxe5 18.Tb1 Td8 19.Dc2 h4 20.Sf5 Lxf5 21.exf5 0–0 22.Tfd1 Sh5 23.Lxa7 Sg7 24.a4 Sxf5 25.a5 h3 26.a6 Ta8 27.Lc5 Tfe8 28.a7 e4 29.Tb7 Sh4 30.Db3 Df5 31.Tdd7 Sf3+ 32.gxf3 exf3 33.Kf1 Dxc5 34.Dc3 Tf8 35.Dd3 De5 36.Dxf3 Tae8 37.Tb1 Dxh2 38.Tb3 De5 39.Dxh3 Df4 40.c5 Dc4+ 41.Kg2 Te4 42.Df5 Dxb3 43.Dxe4 Kg7 44.Df5 g4 45.Dxg4+ 1–0

Die Geschichte des Nachkriegsfernschachs ist in besonderem Maße mit dem Namen Hans-Werner von Massow verbunden. Von Massow, geboren 1912 und gestorben 1988, war Mitbegründer des IFSB und dessen Generalsekretär. Dieses Amt erfüllte er später auch für den Weltfernschachbund ICCF, bevor er sogar dessen Präsident wurde.
von Massow hat unermüdlich und an etlichen "Baustellen" für die Entwicklung des Weltfernschachs gewirkt. Insgesamt konnte er auf eine rund sechzigjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Dienste des Fernschachs zurückblicken.
Das internationale Fernschach nahm nach dem Ende des 1. Weltkriegs Fahrt auf. Dies führte dazu, dass im Jahre 1928 der Internationale Fernschachbund (IFSB) gegründet wurde, der sogleich die Ausrichtung von Meisterschaften übernahm. In dieser Zeit und in den folgenden Jahren waren es auch die Namen einiger Spitzenspieler des Nahschachs, die sich mit dem Fernschach verbanden. So gewann Paul Keres im Jahr 1935 die IFSB-Bundesmeisterschaft, die heute als Vorläufer der späteren Fernschach-Europameisterschaften angesehen werden. 1936 war es Alexander Aljechin, der sich für die Austragung einer Weltmeisterschaft auch im Fernschach einsetzte. Bevor ein entsprechender Beschluss des IFSB, im selben Jahr getroffen, umgesetzt werden konnte, begann der 2. Weltkrieg. Die Bemühungen kamen hierdurch erst mal wieder zum Erliegen.


Fernschach: Österreich mischt kräftig mit

 

In der Zwischenkriegszeit hat Österreich große Erfolge durch Erich Eliskases, Franz Kunert und Hans Müller. Kunert ist auch ein wichtiger Anreger im Internationalen Fernschachbund, der 1928 in Deutschland gegründet wird (heute ICCF). In der ersten Fernschach-Olympiade 1936-39 wird Österreich Zweiter hinter Ungarn. Nach 1945 steigt die Organisationsdichte im Fernschach kontinuierlich an. Egon Spitzenberger (1917-1990) ist ein unermüdlicher Promotor. Österreich erzielt einige exzellente internationale Ergebnisse: 1983 Dritter im Finale der 1. Europa-Mannschaftsmeister-schaft hinter der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland, 1999 vierter Platz im gleichen Bewerb. Bis in das Finale der Weltmeisterschaft gelangen bisher vier Österreicher und eine Österreicherin: Leopold Watzl sechster Platz 1953, Kurt Kaliwoda vierzehnter Platz 1959, Gertrude Schoißwohl zweiter Platz in der Damen-Weltmeisterschaft 1972, Georg Danner dreizehnter Platz 1986, Tunc Hamarat, Österreicher aus Istanbul zugewandert, dritter Platz 1999.

 

 

Internationale Titel im Fernschach

 

Internationale Großmeister im Fernschach werden 1997 Tunc Hamarat, 1998 Harald Tarnowiecki, Internationale Großmeisterin bei den Damen 1997 Gertrude Schoißwohl. Max Aigmüller gewinnt 1995 die Europameisterschaft im Fernschach, Siegfried Neuschmied im Jahr 2000. Internationale Fernschachmeister sind seit der Existenz dieses Titels: Max Aigmüller, Ulrich Altrichter, Georg Danner, Fritz Fleischanderl, Josef Giselbrecht, Helmut Grabner, Werner Groiss, Kurt Kaliwoda, Oskar Kallinger, Klaus Mayr, Siegfried Neuschmied, Max Pichler, Johann Pöcksteiner, Heinz Polsterer, Franz Rupp, Wilhelm Rupp, Friedrich Schätzel, Norbert Sommerbauer, Sven Teichmeister, Franz Thannhauser, Hans Eduard Ude, Werner Wakolbinger, Günter Waldhauser, Kurt Wallner, Leopold Watzl, Herbert Wohlfahrt sen. und Wolfgang Zugrav. Internationaler Schiedsrichter der ICCF ist Gerhard Radosztics. Der Österreichische Schachbund organisiert den Internationalen Fernschachkongreß in Krems 1967, in Bad Mitterndorf 1975 und in Graz 1992.

 

 

Die Fernschachstaatsmeister

 

Die österreichische Fernschachmeisterschaft gewinnen 1952 Alexander Prameshuber, 1956 Andreas Dückstein, 1958 Oskar Kallinger, 1959 Alexander Schoißwohl, 1961 Eugen Helm, 1963 Engelbert Höllinger, 1965 Josef Giselbrecht, 1967 Friedrich Schätzel, 1968 Egon Spitzenberger, 1970 Eduard Ude, 1972 Georg Danner, 1974 Oskar Kallinger, 1976 Egon Spitzenberger, 1978 Wilhelm Rupp, 1980 Peter Roth, 1982 Johann Nußbaumer, 1984 Franz-Karl Juraczka, 1986 Anton Strauß, 1988 Josef Brandl, 1990 Norbert Sommerbauer, 1992 Wolfgang Zugrav, 1994 Herbert Wohlfahrt, 1996 Siegfried Neuschmied, 1998 Sven Teichmeister, 2000 Wolfgang Humer.   Der Einsatz moderner computerisierter Hilfsmittel tut dem Interesse an Fernschach keinen Abbruch. Er wird im Gegenteil von einer neuen Generation gerne angenommen. Die Möglichkeiten, die e-mail und Internet eröffnen, sind in der Schachwelt bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

 


Fernschach contra Onlineschach

Heute spielt man "Online" als direkt mit einem Gegner in einem anderen Land im Internet. Auch das "Briefeschicken" hat sich (fast) aufgehört! Es wird der Zug mit "Email" verschickt. Man ist ja verlinkt! Hat es auch schon früher "Unehrlichkeit" gegeben. Man holte sich eben bei einen guten Schachspieler Rat. So ist heute "SCHWINDELN" - wer hat den besseren Rechner - an der Tagesordnung.

Ehrlichkeit beim Onlineschach!?

Seit es Internet-Schachserver gibt, muß niemand mehr auf den Vereinsabend warten, wenn er Lust auf ein paar Blitzpartien hat. Es gibt auch keine Probleme mehr mit Spielern, die vorher zehn Bier und zum Mittag Zwiebelringe im Knoblauchkranz hatten. Es gibt aber ein ganz neues Problem: Betrüger, die ausnutzen, daß die Partner sich nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen. Sie versuchen, sich mehr Bedenkzeit zu erschleichen oder heimlich ein Schachprogramm um Rat zu fragen, um mit unfairen Mitteln ein paar Partien zu gewinnen. Und noch andere dunkle Gefahren lauern in der rasanten Welt des Internet-Schachs


Wer kennt das nicht? Beim Blitzen auf einem Schachserver hat man den Gegner schon im Sack und dazu noch mehr Zeit auf der Uhr. Doch irgendwie scheint die Zeit des Gegners nicht weniger zu werden, obwohl es jedesmal ein erkleckliches Weilchen dauert, bis er zieht. Die eigene Zeit dagegen läuft ab wie Wasser aus der Badewanne, und irgendwann gewinnt der Gegner trotz Dame weniger auf Zeit. Das ist ärgerlich, und natürlich liegt der Verdacht nahe, der Gegner habe das absichtlich so eingefädelt. Aber geht das überhaupt?

Ein anderes Szenario: Nach einer Reihe von Partien wird man müde, ohnehin ist Schlafenszeit, also runter vom Server und ins Bett. Ach halt, es fehlen nur noch fünf Server-Elo an der nächsten Hundertergrenze, die nehmen wir noch mit. Dafür reicht ein Aufbaugegner, der zwei-, dreihundert Punkte weniger hat. Man findet einen, doch der spielt wie ein Großmeister. Ausgangs der Eröffnung steht man schon platt, und die Mittelspiel-Hinrichtung erfolgt schnell und effektiv auf die allertaktischste Weise. Der Kerl muß doch ein Schachprogramm benutzt haben! So ein Schummler, wieso erwischt den keiner?

Die meisten derartigen Fälle dürften einfach auf unglückliche Umstände zurückzuführen sein. „Wenn uns etwas Böses angetan wird, pflegen wir es in Stein zu meißeln; wenn uns aber Gutes getan wird, schreiben wir es in den Sand.“, sagte Thomas Morus. Falls der der Gegner die Verbindung verliert, wenn wir gerade auf Sieg stehen, merken wir uns das einfach besser als wenn wir auf Verlust stehen. Auch ist diese Verbindungsverzögerung, neudeutsch Lag genannt, durchaus gegenseitig. Wer weiß, ob der Gegner nicht genau dasselbe Gefühl hat, betrogen zu werden?

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Und wenn ein schwacher Gegner mal spielt wie ein Großmeister, dann kann das auch Zufall sein – die meisten Spieler haben viele tausend Partien auf den Servern gespielt. Schon rein statistisch gesehen können sie ab und zu mal eine aus Versehen geniale Partie abliefern, versteckt unter tausend Stümper-Runden. Trotzdem bleibt natürlich ein Restrisiko. Überall, wo es um etwas geht, und seien es auch nur lumpige Phantasie-Elos, finden sich Betrüger ein, die versuchen, Schwächen der Technik auszunutzen. Diese teilen sich in mindestens zwei Gruppen:

Die Dummen tun es nur, um ein paar Server-Elo zu ergattern oder mal einem starken Spieler eine Niederlage beizubringen, sie wirken rein destruktiv und lassen sich meist leicht enttarnen, weil sie kein technisches Verständnis haben und sich einfach dämlich anstellen. Es gibt aber noch die Cleveren, die es als intellektuelle Herausforderung ansehen, Schwachpunkte in den Programmen zu finden und so lange wie möglich unentdeckt zu betrügen. Diese können potentiell sogar gefährlich sein für die Sicherheit der Computer ihrer Gegner. Hier hilft nur Aufklärung, denn nur wer die Tricks der Cheater wenigstens prinzipiell kennt, kann sich gegen sie schützen.

Es gibt noch einen Aspekt: Die Betreiber der kommerziellen Server haben im Interesse ihrer Kunden natürlich etwas dagegen, wenn Cheater ihr finsteres Werk verrichten. Darum versuchen die Programmierer, den Betrügern so viele Steine wie möglich in den Weg zu legen. Das ist ein grundsätzlich positiver Ansatz, der sich aber schnell ins Gegenteil verkehren kann, genau dann nämlich, wenn ein Schachprogramm anfängt, auf dem Rechner des Benutzers herumzuschnüffeln und nach anderen Schachprogrammen zu suchen. Derartige Gerüchte laufen über den Chessbase-Client um. Ob da was dran ist? Und falls ja, kann man dagegen etwas tun?

Letzten Endes drohen auch noch Gefahren durch die Direktverbindung – man liefert dem Gegner ja seine IP-Adresse auf dem Silbertablett. Das ist zum Glück bei angemessener Vorsorge kein wirklich ernstes Problem.

 


 

© LV Tirol
(Admin H. Erlacher)