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GM Philipp SCHLOSSER - "Schach ist seine Leidenschaft!"

Da Philipp SCHLOSSER auch die Tiroler jugendkaderspielerinnen und und -spieler trainiert, sie bei diversen österreichischen Jugendmeisterschaften betreut und auch als Refernt für den Landesverband Tirol in der Trainerausbildung arbeitet, möchten wir auf diesen Artikel hinweisen und ihn auch online stellen!
Dieser Bericht über GM Phlipp SCHLOSSER wurde im OVB-ONLINE veröffentlicht: OVB-ONLINE.

GM Philipp Schlosser sagt dazu:" Interessant ist vielleicht auch, wie es zu dem Artikel kam: am 28-12-2016 führte ich im Mehrgenerationenhaus Wasserburg den Schachtalk durch, den ich sonst seit Jahren mittwochs in Baden-Baden anbiete. Der Veranstaltungshinweis von Herbert Huber brachte dann alles ins Rollen: die Zeitung lud mich in die Redaktion zu einem Gespräch ein und jetzt erschien der Artikel im Rahmen der Serie Portrait der Woche... !"

SCHACH-GROSSMEISTER PHILIPP SCHLOSSER - Lebensinhalt auf 64 Feldern gefunden!

Philipp Schlossers Herz hat „schon sehr früh dem Schach gehört“.
In Rieden begann er die Leidenschaft für die nicht ganz gewöhnliche Sportart zu entwickeln. Heute ist er Großmeister und erfolgreicher Schachtrainer, reist dabei um die halbe Welt und kommt zurück nach Wasserburg, um sich dort mit anderen Schachbegeisterten zu treffen.
Wasserburg
Eigentlich lebt Philipp Schlosser in Baden-Baden, in der Stadt am Inn ist er im Moment nur zu Besuch. Um über Schach zu sprechen. Ein Spiel, das für ihn so viel mehr ist, als nur geistige Anstrengung vor einem gemusterten Holzbrett mit hübschen Figuren. Schach ist für den 48-Jährigen zum Lebensinhalt geworden. Er spielt in Mannschaften in Deutschland, Luxemburg, Österreich und Frankreich, ist Großmeister und hat mit seinen Teams zahlreiche Meisterschaften gewonnen.
„Schach ist so kompliziert, dass man nicht umhin kann, Fehler zu machen“
Er kennt fast alle Größen des Schachsports.
Mit den meisten „Weltmeistern und Superkönnern“ habe er schon an einem Tisch gesessen und gespielt, so Schlosser. Allgemein gelte für Schachspieler: „Man trifft sich, hat sofort Gemeinsamkeiten und unterhält sich.“ Das passt für ihn zum lateinischen Wahlspruch des Weltschachbundes FIDE: „Gens una sumus“ – „Wir sind ein Volk“.
Als Schachtrainer arbeitet er mit Spielern unterschiedlichen Alters und Spielniveaus.
Seit 1998 ist er als Trainer im Schachzentrum Baden-Baden tätig. Er besucht Schachklubs, spielt mit Jugendlichen aus sozial schwächeren Schichten und möchte allgemein helfen, das Spiel wieder populärer zu machen. „Ich will ein guter Botschafter für Schach sein“, meint der Schachgroßmeister, der neben seinen gewonnenen Turnieren und Meisterschaften noch einen anderen Erfolg verbuchen kann: Er kann als Trainer und Spieler vom Schachspielen leben – für diese Sportart ist das nicht gerade selbstverständlich.
Schach ist für Philipp Schlosser Leidenschaft, Berufung und Beruf.
Und das war schon fast immer so. Bereits im Grundschulalter lernte er das Schachspielen – als sein Vater an Leukämie verstarb und die Mutter des damals sechsjährigen Philipp ihm erzählte, dass sein Vater sehr viel Schach gespielt hätte. Die Liebe zum Brettspiel wuchs mit den Jahren und nahm einen immer größeren Platz in seinem Leben ein. So überlegte er als Jugendlicher – zu diesem Zeitpunkt wohnte er mit seinen Eltern noch in Rieden – ob er nicht doch lieber ins Garser Gymnasium gehen sollte. Denn dort gab es eine Schulschachgruppe. Während seiner Gymnasialzeit, die er dann doch am Luitpold-Gymnasium in Wasserburg verbrachte, war er Mitglied im Schachklub Wasserburg und in der Schachgemeinschaft Pang.
Ab 1987 spielte er dann für Bayern München.
Insgesamt acht Jahre lang blieb er dem Verein treu und war damit sehr erfolgreich. „Wir sind nur zweimal nicht Meister geworden“, erzählt der 48-Jährige. In dieser Zeit, genauer im Jahr 1992, kurz vor seinem 24. Geburtstag, erreichte er die Auszeichnung „Großmeister“. Der Großmeister ist der höchste Titel, die ein Turnierschachspieler vom Weltschachbund FIDE verliehen bekommen kann und gilt auf Lebenszeit.
Was passiert, wenn man nun einen Großmeister und einen Laien an denselben Schachtisch setzt?
Da glaubt Philipp Schlosser an das Gesetz der großen Zahlen: „Auf Dauer geht es immer schief.“ Heißt konkret: Man könne zwar keine Garantie geben, nach dem Motto der Laie „schafft keine zehn Züge“, gleichzeitig sei trotzdem sicher, dass er letztendlich verlieren wird.
Und wie wird man Großmeister im Schach?
Erfolg werde durch drei Dinge bestimmt, meint der 48-Jährige: Talent, Fleiß und Glück. Dabei ist für ihn der Fleiß „unbedingt am größten zu schreiben“. Talent ist für ihn „die Geschichte, mit der man startet“, so Schlosser. Ein Talentierter werde von seiner Ausgangslage den neuen Stoff zwar schneller lernen, derjenige mit weniger Talent werde es aber auch lernen, „wenn er sich reinhängt.“ Er ist überzeugt, „dass Talent keine unveränderbare Größe ist“. Dazu kommt: „Wenn man hart an etwas arbeitet, dann muss man es auch lieben.“ Und: „Man muss auch mit Niederlagen zurechtkommen“, Erfolg allein reicht nicht. Hört sich philosophisch an – Philipp Schlossers Gedanken zu dem Spiel, das sein Leben bestimmt, sind es auch.
„Schach ist so kompliziert, dass man nicht umhin kann, Fehler zu machen“, meint der Großmeister:
„Man strebt nach dem Unmöglichen.“ Denn beim Schach gebe es unendliche viele Möglichkeiten. Obwohl das Brett, das da beim Spiel vor einem auf dem Tisch steht, eigentlich begrenzt ist. Mit dieser Unendlichkeit im Schachspiel lässt es sich sicherlich auch begründen, dieses eine Spiel, diese eine Sportart zu seiner Leidenschaft und zum Mittelpunkt des eigenen Lebens werden zu lassen. „Schachspiel ist ein See, in dem eine Mücke baden, und ein Elefant ertrinken kann“, besagt ein indisches Sprichwort. Philipp Schlosser gehört wohl zu denen, die sich an der Wasseroberfläche bewähren.

 

© LV Tirol
(Admin H. Erlacher